Lehrer ans Netz!

Ganz selbstverständlich steht ein PC in meinem Büro und niemand würde das in Frage stellen. Ohne einen eigenen Rechner könnte ich meine Arbeit nicht machen. Von Lehrern erwarten wir, dass sie ihren Unterricht digitaler gestalten. Aber wir geben Ihnen nicht die Mittel, die sie dafür bräuchten.

Digitales Lernen geht nicht ohne technische Grundausstattung. Niemand würde das in Frage stellen. In Deutschland diskutieren wir vor allem die Gerätefrage ziemlich oft. Wenn wir nicht gerade damit beschäftigt sind, uns über die Gefahren der digitalen Welt Gedanken zu machen. Deshalb versuche ich hier, weniger über Technik zu schreiben und mehr über didaktische durchdachte Konzepte und Ideen für die Umsetzung digitalen Lernens. Denn wir sehen immer wieder: Auch wenn die Geräte vorhanden sind, heißt das noch lange nicht, dass der Unterricht dadurch besser wird. Trotzdem geht es mir heute einmal um die Technikfrage. Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob es Sinn macht, Schüler mit Tablets auszustatten. Oder ob man ihnen erlauben sollte, ihre eigenen Smartphones und Tablets in die Schule mitzubringen. Ich halte das für gute und berechtigte Fragen, die sich aber wohl nicht kategorisch beantworten lassen. Es freut mich auch, dass die Situation der Schüler im Zentrum der Debatte steht, denn die müssen schließlich auf den Umgang mit digitalen Medien vorbereitet werden.

Aber wir lassen sehr oft in dieser Diskussion die Lehrer außen vor. Die Logik der Debatte ist Folgende: Digitaler Unterricht benötigt digitale Geräte. Das heißt, jeder Schüler braucht ein eigenes Gerät. Nur so kann guter digitaler Unterricht möglich werden. Mag sein. Glaube ich aber nicht, denn es gibt Schulen, die ihre Schüler mit Geräten ausgestattet haben, und trotzdem ist der Unterricht nicht besser.

Die Lehrer sind der Erfolgsfaktor. Lehrer sind aber auch so ziemlich die einzige Berufsgruppe, die ihre Arbeitsmittel nicht vom Arbeitgeber gestellt bekommt. Lehrer arbeiten zu Hause am heimischen PC und in der Schule – wenn überhaupt – mit dem eigenen Smartphone oder Tablet. Um ihre technische Ausstattung müssen sie sich selbst kümmern. Ich frage mich, wie wir unter diesen Umständen von Lehrern erwarten können, dass sie guten digital angereicherten Unterricht machen. Wie wäre es, zunächst einmal die Lehrer mit Tablets auszustatten? Und mit der notwendigen Software, die es ihnen auch erleichtert, administrative Aufgaben zu erledigen?

Selbst diejenigen, die sich mit der Digitalisierung nicht aus eigenem Antrieb auseinandersetzen, bekämen so einen Zugang zu dem Thema. Und die Arbeitserleichterung, die dadurch entstünde, würde sicherlich hoch geschätzt. Mit solchen positiven Erlebnissen wäre der Sprung, digitale Elemente in den eigenen Unterricht einzubauen, nur noch ein kleiner.

Lehrer ans Netz statt Schulen ans Netz? Ich finde es sinnvoll, diese Frage zu diskutieren, macht Sinn. Das schließt die Ausstattung der Schüler nicht aus. Ganz im Gegenteil. Beide Themen müssen diskutiert werden. Aber es wäre gut, den Fokus auch einmal auf die Lehrer zu legen. Die Erwartungen an Lehrkräfte sind hoch. Damit sie die erfüllen können, brauchen sie eine gute Ausbildung – und gute Arbeitsbedingungen!



Autor

Dr. Julia Hense Project Manager Digitalisierung der Bildung Telefon: +49 5241 / 8 18 15 44 Profil

Kommentare

  1. / von Ofir Knimach

    Absolut richtig, diesem Thema Beachtung zu schenken. Die Möglichkeiten, die Lehrer durch den technologischen Fortschritt haben, ist ihnen oftmals allerdings auch nicht bewusst. Mit der Unterstützung von Tablets oder anderen technischen Geräten müssen definitiv auch Fortbildungen zur praktischen Anwendung mitziehen.

    Im Rahmen unseres Projektes BleibClever (www.bleibclever.de) machen wir uns ebenfalls Gedanken über dieses Thema und freuen uns über weiteren Input in dieser Richtung. 🙂

    Viele Grüße

  2. / von Gunnar Klinge

    Hallo Frau Behrens,
    damit rennen Sie bei mir offene Türen ein. Genau das ist seit Jahren meine Erfahrung.
    Gerne können wir uns darüber mal intensiver austauschen.
    Grüße

  3. / von Schwickert

    Guter Beitrag. Wird von mir als Lehrer an einer Beruflichen Schule voll geteilt. Gerade für administrative Aufgaben (Klassenarbeiten und Arbeitsblätter entwerfen) arbeiten viele Lehrer noch sehr rückständig. Dabei gibt heute schon eine Vielzahl von Software, die den Arbeitsalltag eines Lehrer erleichtern. So lässt sich z. B. mit der Software „KlasseDozent“ das Konzipieren von Klassenarbeiten und Arbeitsblättern enorm erleichtern.

  4. / von Rainer Klemm

    Sehr geehrte Frau Dr. Behrens,
    auch ich teile Ihre Ansicht voll und ganz. Ich bin zwar kein Lehrer, sondern Vater eines z.Zt. Zweitklässlers.

    Mein Sohn geht an eine gebundene Ganztagsschule. Das Konzept ist vielversprechend, wird aber m.E. schlecht umgesetzt, vorallem wegen fehlender Arbeitsplätze für Lehrer. Lehrer sind oft Einzelkämpfer, bereiten ihren Unterricht alleine vor und nach, und müssen sich gerade im digitalen Bereich selbst schulen und das tun sie Zuhause.

    Ich hatte meiner Grundschule daher ein Konzept eines durch eine IT-Kraft betreutes „LehrerCafè“ vorgeschlagen, dass Gruppenarbeitsplätze, stille Arbeitsplätze wie auch Ruheräume enthielt. Räumlich wäre es durch eine leerstehende Hausmeister- wohnung möglich gewesen. Ich scheiterte an der Schulleitung und Elternvertreter aus den von Ihnen genannten Argumenten, nämlich „die Gefahren der digitalen Welt“ in die Schule zu holen.

    Ich suche daher weiter nach erfolgversprechenden Konzepten, Projekten und Ideen

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