Besser Lernen mit Laptops?

Es gibt inzwischen viele Untersuchungen zu der Frage, ob die Nutzung von Computern im Unterricht den Lernerfolg der Schüler befördert oder im Gegenteil sogar eher erschwert. Vor kurzem hat beispielsweise die OECD in einer Länder-Vergleichsstudie festgestellt, dass die Lese- und Mathematikleistungen von 15-Jährigen Schülern offenbar in den Ländern eher schlechter seien, deren Schulen verstärkt Computer zum Einsatz bringen.

Wenngleich solche Befunde von Skeptikern der Digitalisierung gerne aufgegriffen werden, sind sie bei näherer Prüfung kaum belastbar – und auch wenig aussagefähig, da neben dem Technikeinsatz vor allem didaktische Konzepte und nicht zuletzt die Medienkompetenzen der Lehrer eine wesentliche Rolle spielen. Eine deutlich differenziertere Sicht eröffnet nun eine umfangreiche Metaanalyse der Michigan State University unter der Leitung von BinBin Zheng zur Laptop-Nutzung im Unterricht – unter dem Titel: Learning in One-to-One Laptop Environments: A Meta-Analysis and Research Synthesis. Hierfür wurden 96 empirisch-quantitative Studien und Dissertationen aus den vergangenen 15 Jahren ausgewertet, in denen pro Schüler ein Laptop zum Einsatz kam (1:1).

In einer ausführlichen Besprechung dieser Studie weist die Education Week darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Analyse einen positiven Wirkungszusammenhang zwischen den künstlerischen und sprachlichen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen der Schüler einerseits und der Nutzung von Laptops andererseits belegen. Wenngleich einschränkend hinzugefügt wird, dass angesichts der begrenzten Anzahl von quantitativen Studien zum 1:1 Einsatz (10 von 96 Publikationen), dieses Ergebnis nicht „definitiv“ sei, zitiert Education Week den Computerwissenschaftler an der Michigan State University, Elliot Soloway, mit der Aussage: „The new analysis has the potential to reshape the debate about ed-tech’s impact (…) Schools are going to use [the findings] to justify the move to 1-to-1.“ Der Trend, Schulen möglichst umfassend mit mobilen Endgeräten fürs digitale Lernen auszustatten, hat in den USA dazu geführt, dass allein in den Jahren 2014/2015 mehr als 23 Millionen Laptops, Chromebooks und Tablets für die Nutzung in den Klassen – und teilweise auch für zuhause – angeschafft wurden.

Zusätzlich zu den quantitativen Studien bezogen die Forscherinnen von der MSU weitere 85 qualitative Studien zum 1:1 Laptop-Einsatz an Schulen mit in die Analyse ein – mit dem Ergebnis, dass:

  1. in 1:1-Lerumgebungen die Intensität und der Umfang der Computernutzung für Schreiben/Notizen, Internet-Recherche, Tests und Lesen deutlich zunahm,
  2. Schüler über das Mitschreiben hinaus auch neue mediale Formate nutzten, wie z. B. Blogs, Chats und Wikis,
  3. Schüler-zentrierte, Projekt-basierte und individualisierte Lernformate zunahmen,
  4. die Lehrer-Schüler-Kommunikation und die Einbeziehung der Eltern verbessert wurde,
  5. Schüler sich sehr positiv über die Laptop-Nutzung äußerten und sowohl ihre Motivation wie auch ihr Engagement zunahm,
  6. Technologie- und Problemlösungskompetenzen erhöht wurden.

Ob der 1:1 Laptop-Einsatz in den Klassen auch dazu beiträgt, bestehende soziale oder kognitive Ungleichheiten zwischen den Schülern auszugleichen, konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Generell weisen die Wissenschaftlerinnen darauf hin, dass die Ergebnisse dieser qualitativen Studien vorsichtig zu bewerten seien, da sie in der Regel auf Beobachtungen oder Interviews basieren, anstatt auf experimentellen quantitativen Forschungsdesigns.

Trotz dieser Relativierung betonen die Forscherinnen, dass in den ausgewerteten Studien ein breiter Konsens darüber bestehe, dass die 1:1 Nutzung der Laptops dazu beiträgt, die „21st-century learning skills“ zu befördern: “I believe“, so formuliert Zheng zusammenfassend, „this technology, if implemented correctly, is worth the cost and effort because it lifts student achievement, enhances engagement and enthusiasm among students, improves teacher-student relationships and promotes 21st century skills such as technological proficiency and problem solving.”

 



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