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Tagung „MOOCs and beyond“: Digitale Bildung als strategische Kernaufgabe der Hochschulen

Etwa 250 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten am 27. November über Chancen, Risiken und Folgen digitaler Bildungsangebote für die deutsche Hochschullandschaft. Im Rahmen der vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgerichteten Tagung „MOOCs and beyond“ wurde die deutsche, europäische und internationale Dimension des Themas beleuchtet und durch viele Beispiele aus der Praxis veranschaulicht.

Zum Auftakt der Veranstaltung stellte Ulrich Schüller vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die digitale Gesellschaft als politische Herausforderung in den Fokus und konstatierte: „Digitale Bildung gehört zu den strategischen Kernaufgaben der Hochschulen“.

Key-Note Speaker Paul Kim
Key-Note Speaker Paul Kim

Keynote-Speaker Prof. Dr. Paul Kim gab einen Überblick über aktuelle Trends und sich weltweit entwickelnde Geschäftsmodelle im Bereich der Massive Open Online Courses (MOOCs). Der Chief Technology Officer der Stanford University stellte das Motiv der „Leidenschaft“ als wesentlichen Erfolgsfaktor für digitale Lehrangebote in den Mittelpunkt seines Vortrags. Das gelte sowohl für die digital unterstützte Einführungsvorlesung an einer amerikanischen Spitzenhochschule als auch für den besseren Zugang zu Bildung in Entwicklungsländern: „In Tansania, there are more mobile device users than teeth brush users.“

Erkenntnisse aus seiner persönlichen Lehrpraxis brachte der deutsche Online-Pionier Prof. Dr. Jörn Loviscach mit. Der Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik an der FH Bielefeld bietet seine Kurse bei YouTube, auf der MOOC-Plattform Udacity und seinem eigenen Mathe-Portal Capira.de an. Trotz vieler positiver Erfahrungen sind „klassische“ MOOCs seiner Erfahrung nach für durchschnittliche Studierende in ihrer jetzigen Form kaum geeignet. Man brauche vielmehr kleinteiligere, frei zugängliche Lernmaterialien zum Mixen und eine stärkere Vernetzung verschiedener Wissensbausteine.

Michael Gaebel präsentierte in seinem Vortrag die europäische Perspektive. Als Head of Higher Education Policy bei der European University Association sprach er sich dafür aus, die im Rahmen des Bologna-Prozesses ermöglichte Anrechnung von Kreditpunkten auch für MOOCs zu nutzen. Genauso wie auf Ebene der einzelnen Hochschule müsse auch im europäischen Kontext eine entsprechende Strategie entwickelt werden.

Anschließend erläuterte CHE-Geschäftsführer Dr. Jörg Dräger, wie Digitalisierung die Hochschullehre verändern wird. Auch wenn MOOCs bislang kaum mehr als digitale Kopien klassischer Lehre seien, wirkten sie als „wichtige Katalysatoren für Diskussionen über den richtigen Weg zur unaufhaltsamen Digitalisierung der Hochschullehre“. Das wahre Potenzial der Digitalisierung liege jedoch in der möglichen Personalisierung des Lernens trotz mehr oder weniger unbegrenzten Teilnehmerzahlen. Um dieses Potenzial zu heben, müssten deutsche Hochschulen die Digitalisierung als strategische Aufgabe im internationalen Wettbewerb erkennen, die Politik aber auch den rechtlichen Rahmen an die technischen Entwicklungen anpassen.

Die abschließende Podiumsdiskussion mit dem Präsidenten der TU Darmstadt, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, DAAD-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel, Karl Kornwolf, Leiter des Geschäftsfeldes Bildung bei T-Systems, sowie dem Vizepräsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Joachim Metzner, bot Gelegenheit, diese Gedanken auch im Dialog mit dem Publikum zu reflektieren.

Neben den Vortragsfolien können auch die Videos der als Livestream übertragenen Vorträge über die CHE-Homepage abgerufen werden.



Autor

Julius-David Friedrich Project Manager Digitalisierung in der Hochschule Telefon: +49 5241 / 97 61 21 Profil

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