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PIAAC: 27% aller Erwachsenen in der EU auf den niedrigsten Medien-Kompetenzniveaus

Bricht durch digitale Technologien eine neue, bessere Ära der Weiterbildung an? Nur wenn bei den Lernern die nötigen Kompetenzen zur Nutzung digitaler Medien vorhanden sind. Davon kann allerdings (noch) nicht ausgegangen werden.

So bewegen sich ca. 27% aller Erwachsenen in den 17 Mitgliedsstaaten auf den beiden niedrigsten Kompetenzniveaus, wenn es um die Fähigkeit geht, Probleme in technologisch-geprägten Umgebungen zu lösen. 14% davon können nur sehr einfache technische Aufgaben im Umgang mit digitalen Geräten lösen, 13% haben keinerlei Erfahrung mit digitalen Geräten und konnten dadurch nicht einmal den computer-basierten PIAAC Fragebogen ausfüllen. Deutschland liegt bei diesem Benchmark mit 26% etwas unter dem EU Durchschnitt. Auch der Anteil der 16- bis 65-Jährigen mit hohen digitalen Kompetenzen ist in Deutschland mit 21% durchaus noch zu steigern. Vorzeigeländer bei digitalen Skills sind vor allem Dänemark, die Niederlande, Finnland sowie Schweden, wo nur 10% der erwachsenen Bevölkerung keinerlei Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien haben und oft mehr als 40% sehr hohe Kompetenzen aufweisen.

Neue digitale Technologien eröffnen bislang ungeahnte Möglichkeiten, um Lernen zielgruppenorientierter und damit effektiver sowie inklusiver und zu gestalten. So können Lernangebote auf digitaler Basis zu geringen Kosten auf großer Ebene skaliert werden. Eine Vielzahl von Lernern erhält damit Zugang zu exzellenten Angeboten, während sich das Lehrpersonal stärker als bisher auf die individuelle Betreuung der Lerner fokussieren kann. Durch digitale Technologien – so die Hoffnung – sollen auch lernbezogene Zusammenarbeit, sowie der Zugang zu Lernressourcen in Zukunft vereinfacht werden. Gleichzeitig setzt der Zugang zu digitaler Weiterbildung eine hoch ausgeprägte Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien voraus. Erst wenn diese Medienkompetenz vorhanden ist, wird effektives und inklusives Lernen im digitalen Raum Realität. Diese Kompetenz kann allerdings mitnichten vorausgesetzt werden, wie der Education and Training Monitor anhand der oben aufgeführten PIAAC Daten zeigt.

Der Monitor verweist darüber hinaus auf einen engen Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und der Literalität: Unabhängig von Alter, Bildungsniveau und Geschlecht weisen Personen, die digitale Medien in Arbeit und Alltag häufig nutzen, einen bis zu 14 Punkte besseren Wert im Bereich Literalität auf. Dies entspricht einem Wissens- und Könnensunterschied von zwei Schuljahren. Je mehr Personen also Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen, desto höher sind ihre Literalitäts-Werte und vice versa. Ungeklärt bleibt allerdings die Frage in welche Richtung dieser Zusammenhang gedeutet werden muss. Die Autoren des Education and Training Monitors gehen davon aus, dass eine gute Lese- und Schreibfähigkeit die Voraussetzung für die effektive Nutzung von Kommunikationstechnologien ist. Gegebenenfalls trägt aber auch die häufige Nutzung digitaler Medien zum Erhalt oder sogar zur Verbesserung der Literalität bei.

Bevor die digitale Revolution also Realität werden kann, müssen bei den Menschen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass diese digitale Medien in ihrem Alltag  einsetzen können.



Autor

Monika Fischer Project Manager Digitalisierung in der Weiterbildung Telefon: +49 5241 / 8 18 13 93 Profil

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