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Die digitale (R)evolution? – Chancen und Risiken der Digitalisierung in der akademischen Lehre

Die Chancen der Digitalisierung werden von den deutschen Hochschulen noch wenig genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Online-Kurse, die unter dem Schlagwort MOOCs (Massive Open Online Courses) derzeit insbesondere in den USA für Aufsehen sorgen, könnten der Initialzünder für weitreichende Umgestaltungen in der Lehre sein. Um die in der Studie identifizierten Potenziale aber auszuschöpfen, müssen Hochschulen die Digitalisierung als strategische Aufgabe annehmen und die Politik bestehende Barrieren abbauen.

Das aktuelle CHE-Arbeitspapier „Die digitale (R)evolution? – Chancen und Risiken der Digitalisierung in der akademischen Lehre“ zeigt auf, wo der vielfältige Nutzen der digitalen Lehrformate für die Hochschulen liegt: Indem Hochschulen standardisierte Inhalte für Grundlagen- oder Einführungskurse gemeinsam nutzen, wird die Effizienz der Lehrangebote erhöht und gleichzeitig dem Lernenden ein individueller Lernweg je nach persönlichem Wissensstand ermöglicht. Durch begleitende lernanalytische Software ließe sich die Qualität und Passgenauigkeit der Lehre so für jeden einzelnen Studierenden weiter verbessern.

Und auch die Hochschulen profitieren: Frei zugängliche digitale Lehr- und Lernformate sind gut geeignete Instrumente für Hochschulmarketing oder bei der Anwerbung von Studierenden. In der Weiterbildung eröffnet die virtuelle Lehre berufstätigen Studierwilligen neue Teilhabemöglichkeiten und Hochschulen neue Zielgruppen. Offene Onlinekurse bieten die Chance, weltweit den Zugang zu höherer Bildung weiter auszubauen und damit zu demokratisieren.

„Individualisierung trotz Massifizierung“ ist für CHE-Geschäftsführer Jörg Dräger ein wichtiges Argument für die Digitalisierung der Lehre auch in Deutschland – insbesondere im Hinblick auf das Studierendenhoch und die kommende Schuldenbremse. „Der Einsatz digitaler Technologien und die Modularisierung der Inhalte würden es erleichtern, mit einer wachsenden und immer heterogeneren Studierendenschaft adäquat umzugehen. Digitale Hilfsmittel ermöglichen eine kontinuierliche Lernkontrolle und entsprechend unmittelbare Feedback- und Interventionsmöglichkeiten auch bei größeren Studentengruppen“, erläutert Dräger die Argumente für einen stärkere Digitalisierung der deutschen Hochschulen.

In den USA verbinden sich mit den Massive Open Online Courses (MOOCs) zusätzlich auch Hoffnungen auf niedrigere Kosten für die Hochschulen und geringere Studiengebühren für den einzelnen Studierenden. Andere Länder nutzen die Loslösung von der reinen Präsenzlehre durch MOOCs, um den Zugang zu höherer Bildung zu erleichtern. In Deutschland hingegen besteht bisher kein entsprechender Handlungsdruck hin zur Digitalisierung von Lehrangeboten: Hochschulen sind flächendeckend vorhanden und für Studierende weitgehend kostenfrei zugänglich. Auch die organisatorischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen im deutschen Hochschulsystem, wie etwa Anrechnung von digitalen Lerneinheiten auf die Lehrdeputate und Studienkapazitäten, stehen einer revolutionären Entwicklung und Integration digitaler Bildungsangebote in den deutschen Hochschulen noch im Wege. „Die Hochschulen sind jedoch gut beraten, sich schon heute strategisch mit der Digitalisierung der Lehre auseinanderzusetzen. Die Politik muss dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen an den technischen Fortschritt anpassen“, sagte Jörg Dräger.

Eine Tagung , welche das CHE und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gemeinsam am 27. November 2013 in Berlin veranstalten, bietet Gelegenheit, die Ergebnisse der Studie und Beispiele aus der Praxis mit Experten zu diskutieren.



Autor

Julius-David Friedrich Project Manager Digitalisierung in der Hochschule Telefon: +49 5241 / 97 61 21 Profil

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